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veröffentlicht am 22. Juni 2010

Appolds „Schweigespuren“ erinnern an die Opfer des Dritten Reichs
Flensburger Künstler Uwe Appold zeigt Bilderzyklus in der KZ-Gedenkstätte Ladelund
Ladelund

 

Ladelund Am Wochenende eröffnete die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund in ihrem Dokumentenhaus ihre zweite Sonderausstellung 2001. Sie trägt den Titel „Schweigespuren“ und besteht aus einem elf Bilder umfassenden Zyklus, den der vielfach ausgezeichnete Flensburger Künstler Uwe Appold im Jahr 2008 nach Gedichten des eigensinnig-wortschöpferischen Lyrikers Paul Celan schuf und nunmehr in Ladelund zum ersten Male der Öffentlichkeit präsentiert.

Zur Freude der Leiterin der Gedenkstätte, Karin Penno-Burmeister, und aller, die der Einladung zur Vernissage gefolgt waren, nahm Uwe Appold persönlich an der Vernissage teil. „Es gibt kaum einen Künstler in Deutschland, der in den vergangenen Jahrzehnten mit seinen Werken so in die christlichen Kirchen hineingewirkt hat wie Uwe Appold“, zitierte die Hausherrin in ihrer Begrüßung und Einführung den Chefredakteur des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages, Stephan Richter. Sie würdigte den Künstler als „Grenzgänger, der eng gefasste Grenzen weitet und überschreitet“, sowie als „weitherzigen Protestanten, der mit den Ausdrucksmitteln der Kunst und in der Begegnung mit ihr die Ökumene, den interreligiösen Dialog und eine Vielfalt interkultureller Zusammenarbeit ersehnt, fordert und fördert.“ Er verkörpere als Kämpfer seiner Generation einen „kraftvollen Visionär“.

Uwe Appold, Jahrgang 1942, zeigte selbst auf, wie seine frühe Beschäftigung mit den Verbrechen des Naziregimes und dem Erkennen, wie „Lehrer und Väter, die keine Helden waren,“ nach Kriegsende versuchten, diese zu verschweigen, in ihm „Schuld, Trauer, Zorn, Entsetzen und Fassungslosigkeit“ ausgelöst hatten. Während seines Studiums in Paris stieß er auf die niederschmetternd düsteren Gedichte des Paul Celan, den man fünf Jahre zuvor in der Seine ertrunken aufgefunden hatte. In ihnen spiegeln sich düstere Erfahrungen des Autors wider, der zeitlebens durch die Angst geprägt war, der Antisemitismus könne wieder an Macht gewinnen. Zum Entstehen des Zyklus „Schweigespuren“ erfuhren die Besucher der Ausstellung, dass die Werke der Ausstellung – ein Triptychon und zehn Einzelbilder – Bezug nehmen auf das Gedenken an die Opfer von Gewalt und Vernichtung im Nationalsozialimus. Angeregt durch 22 in Burgdorf bei Hannover verlegte „Stolpersteine“ zur Erinnerung an Einwohner ihrer Stadt, die als Juden getötet wurden, schuf er ein Gedenkfries mit den Namen von 62 Burgdorfern. Die Namen und Lebensdaten der Ermordeten drückte er auf einer Leinwand in Sand und Erde ein. In der Folge dieses Frieses entstand der Zyklus „Schweigespuren“, gefertigt aus Erde vom jüdischen Friedhof in Burgdorf, Asche sowie Buchstaben und Ziffern, die bei der Erstellung des Frieses angefallen waren, ergänzt durch Acrylfarben, Blattgold und Textilien. Jedes der Werke nimmt Bezug auf ein Gedicht von Paul Celan. Sie greifen die Wortschöpfungen des Lyrikers auf: „Niemand bespricht unser`n Staub“ (Triptychon), „Wortaufschüttung“, „Flugschatten“, „Atemkristall“, „Umbrische Nacht“, „Nahtstellen“, „Rauchseele“, „Sprachgitter“ sowie „Porenbau“, „Partikelgestöber“ und „Sandkornritt“. – Als emotionaler Höhepunkt der Veranstaltung erwies sich eine eindrucksvolle Klang-Collage auf der Basis des Triptychons und einiger Motive aus anderen Gedichten von Paul Celan, dargeboten von ihrem Schöpfer Manfred Burmeister. Kern des Werkes waren originale Tonaufzeichnungen kurzer Zitate, in den 50er und 60er Jahren von Cedan selbst gesprochen. Burmeister vermischte und verfremdete sie technisch durch raffiniert eingesetzten Hall und Überlagerungen. Seine vorgefertigte Aufnahme ergänzte er durch live gespielte Passagen auf Kontrabass, Melodika und Percussionsinstrumenten.

Die Ausstellung verbleibt im Dokumentenhaus noch bis 5. September. Zu besichtigen ist sie jeweils dienstags bis freitags von 10 bis 16 Uhr, sonnabends und sonntags von 14 bis 16 Uhr sowie nach Vereinbarung. Ulrich Jeß

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