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veröffentlicht am 15. Juni 2011

Mitte Juni wurde durch das archäologische Landesamt und unter der Projektleitung von Dr. Willi Kramer ein etwa 30 Meter langen Teilstücks des „Panzergrabens“ in Ladelund freigelegt, der im Herbst 1944 von Häftlingen des KZ Ladelund ausgehoben werden musste. Die Zwangsarbeit in Kälte und Nässe kostete in nur 6 Wochen mehr als 300 Häftlingen, die nur dürftig bekleidet, extrem unterernährt, krank geschwächt und täglichen Misshandlungen ausgesetzt waren, das Leben.
Prof. Dr. Claus v von Carnap- Bornheim, Leitender Direktor der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen, schreibt dazu:
„Das Archäologische Landesamt hat schon vor einigen Jahren im Nachbarort Westre einen etwa 1 Kilometer langen Abschnitt des Panzergrabens unter Denkmalschutz gestellt. Im Gebiet der Gemeinde Ladelund war dieser Graben bereits in der unmittelbaren Nachkriegszeit wieder verfüllt worden. Deshalb können Besucher der KZ-Gedenkstätte und der Grabstätten in Ladelund keine Vorstellung darüber erhalten, wie massiv dieser Panzergraben ausgeführt worden war.
Das Archäologische Landesamt war deshalb gerne bereit, ein Teilstück des Grabens wieder zu öffnen. Ich freue mich auch persönlich darüber, dass das beeindruckende Mal von Ansgar Nierhoff jetzt die vom Künstler selbst beabsichtigte Ergänzung finden kann. Graben und Mal vermitteln mit ihrer Wucht einen emotional anrührenden Eindruck von der furchtbaren Geschichte der KZ-Aussenstelle Ladelund, und das wird jetzt bereits sichtbar.“

Der Panzergraben war Teil des sogenannten Friesenwalls, eine projektierten, aber nur teilweise vollendete Wehranlage an der deutschen Nordseeküste, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs erstellt werden sollte. Adolf Hitler hatte am 28. August 1944 den Befehl erteilt, die deutsche Nordseeküste von der niederländischen Grenze bis nach Dänemark mit Schanzgräben zu sichern. Für den Friesenwall entstanden Panzergräben von etwa fünf Meter Breite und vier Meter Tiefe, sowie zum Teil verbunkerte Stellungen.
Für den Bau wurden 16.000 Kriegsgefangene herangezogen sowie 6.000 KZ-Häftlinge, die aus dem Konzentrationslager Hamburg-Neuengamme in die neu errichtete Außenlager Engerhafe/ Ostfriesland (2.000 Männer), Husum-Schwesing und Ladelund/ Nordfriesland (insgesamt über 4.000 Männer) verfrachtet wurden. Die Gefangenen stammten aus ganz Europa, in Ladelund waren rund 2000 Häftlinge aus 13 Nationen.

Die Häftlinge arbeiteten sieben Tage die Woche je zwölf Stunden. Kälte, Wind und Dauerregen des Herbsts 1944 mussten sie mit primitivem Gerät den schweren und nassen Lehm- und Kleiboden bewegen. In Ladelund starben innerhalb weniger Wochen vom 1. November bis 16. Dezember 300.

Der Friesenwall sollte aus Schützengräben und Unterständen direkt am Seedeich bestehen und durch zwei Panzergräben weiter im Binnenland sowie durch sogenannte Riegelstellungen parallel zur deutsch-dänischen Grenze ergänzt werden. Die nur halbherzig geplanten und durchgeführten Arbeiten gerieten bald in den Sog des sich abzeichnenden unaufhaltbaren Zusammenbruchs und wurden teilweise bereits Ende 1944, spätestens aber im Februar 1945 aufgegeben. Der Friesenwall wurde nur zwischen Husum und Bredstedt mehr oder weniger fertiggestellt und blieb im Norden Nordfrieslands ein Flickwerk. Insgesamt errichteten die Arbeiter an der nordfriesischen Küste 237 Kilometer Panzergräben, 250 Kilometer Stellungsgräben und 4633 Ringstände. Die Anlage war militärisch sinnlos und wurde nie benötigt. Zum größten Teil wurde sie nach Kriegsende zugeschüttet. Einige Bunkerruinen und Panzersperren des Friesenwalls sind an der Küste noch heute erhalten, in der Umgebung von Ladelund kann man Spuren des Panzergrabens noch an mehreren Stellen im Gelände erkennen.

Der Teilabschnitt in Ladelund, der nun freigelegt ist, liegt ca. 300 Meter nördlich des Dokumentenhauses der KZ-Gedenk-und Begegnungsstätte Ladelund am ehemaligen Lagerweg, der vom Lagergelände zur Gedenkstätte führt. Hier wurde im November 2010 das Mal Künstlers Ansgar Nierhoff errichtet, das auf die tragische Besonderheit dieses Ortes und seiner Geschichte hinweist.

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