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veröffentlicht am 31. Januar 2013

shz.31.01.2013KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund: Vortrag von Leiter Stephan Linck am „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“.
Ladelund. Er hat eine lange Tradition – der Vortrag am „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“. In der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund sprach dieses Mal deren kommissarischer Leiter Dr. Stephan Linck. Sein Thema: „Das Altonaer Bekenntnis von 1933 als kirchenpolitisches Ereignis und seine personellen Konsequenzen“.

Der Begriff „Altonaer Bekenntnis“ sei die Kurzfassung des Titels der am 11. Januar 1933 in zwei Kirchen zeitlich parallel verlesenen Schriftstücks: „Wort und Bekenntnis Altonaer Pastoren in der Not und Verwirrung des öffentlichen Lebens“, so der Referent. Dieses stellte eine Reaktion auf den „Altonaer Blutsonntag“ vom 17. Juli 1932 dar, bei dem ein Propagandamarsch der NSDAP durch Altonas Arbeiterbezirke 18 Tote gefordert hatte: zwei vermutlich von Linken getötete SA-Männer und 16 von Polizisten erschossene Unbeteiligte. Dies führte zum sogenannten „Papen-Streich“, auch als „Preußenschlag“ bezeichnet, weil die preußische Regierung durch den Reichskanzler von Papen abgesetzt und durch weit rechts stehende Beamte ersetzt wurde.

In der Zeit dieser Turbulenzen hatten 21 Altonaer Pastoren monatelang an einer kirchlichen Stellungnahme zu den Verhältnissen der Zeit gearbeitet, dem „Altonaer Bekenntnis“. Alle, die sich hinter dieses stellten, hegten noch – wenngleich vergeblich – die Hoffnung, die Kirche könne eine neue Rolle im demokratischen Staat übernehmen und so „noch Einfluss zu nehmen auf die in Selbstzerstörung begriffene Republik“.

Die Theologen hatten ihre Stellungnahme in fünf Kapitel unterteilt, überschrieben mit: „Von der Kirche“, „Von den Grenzen des Menschen“, „Vom Staat“, „Von den Aufgaben des Staates“ und „Von den Geboten Gottes“. „Insgesamt gesehen offenbarte sich in dem Bekenntnis ein nationalprotestantischer Geist, entsprechend der vorherrschenden Mentalität, wobei die Kirche ihre Eigenständigkeit betonte und sich gleichzeitig zum Staat und zur Politik äußerte“, so Stephan Linck.

Sehr ausführlich widmete sich der Vortragende den kirchenpolitischen Auswirkungen des „Altonaer Bekenntnisses“ auf die schleswig-holsteinische Landeskirche, indem er auf den sehr unterschiedlich verlaufenen Fortgang der Karrieren der 21 Autoren einging.

Das von Dr. Linck formulierte Fazit seines Vortrags lautete: „Die kirchenpolitische Bedeutung des Altonaer Bekenntnisses von 1933 liegt vor allem darin dass hier die Eigenständigkeit Kirche gegenüber dem Staat betont wurde.“ Dadurch habe es wichtigen Einfluss auf die entstehende „Bekennende Kirche“ beziehungsweise die kirchliche Opposition im NS-Staat gehabt. Auch wenn es inhaltlich in vielem von nationalpolitischem, vordemokratischem Geist beeinflusst gewesen sei, „so stellt seine Existenz doch einen wichtigen Meilenstein auf dem steinigen Weg der Evangelischen Kirche zur Demokratie dar“.

Ulrich Jess
sh:z 31.01.2013

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