Ein Zeichen gegen das Vergessen gesetzt
Vor 26 Jahren beschrieb der ehemalige Ladelunder Dieter Alpheo Müller seine Erlebnisse während des Krieges in einem Buch. Nun wurde das Werk ins Holländische übersetzt. Der Festakt dazu fand in der niederländischen Kleinstadt Putten statt.
Putten/Ladelund
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– „Das war der schönste Tag in meinem Leben“, schwärmte dieser Tage der aus Ladelund stammende und in Lübeck lebende Buchautor Dieter Alpheo Müller. Der Grund: Aus Anlass der Herausgabe seines ins Holländische übersetzten dokumentarischen Romans „Und Gott wird trocknen alle Tränen“ („En God zal alle tranen drogen“) gab es ihm zu Ehren in der niederländischen Kleinstadt Putten einen Festakt.
Das Original des Romans, dessen Titel sich aus dem 17. Vers des 7. Kapitels der biblischen „Offenbarung des Johannes“ herleitet, erschien bereits vor fast 26 Jahren im Verlag Kiepenheuer & Witsch. Es ist seit langem vergriffen, inzwischen aber als Taschenbuch des Verlags „Books on Demand GmbH, Norderstedt“ wieder erhältlich (ISBN: 978-3-8334-6891-0).
Inhaltlich befasst sich das Buch mit dem Schicksal der 660 Männer aus Putten. Sie wurden am 1. Oktober 1944 als Geiseln zusammengetrieben, in die örtliche alte Kirche gesperrt und danach ohne Verhör und Prozess nach Deutschland deportiert. Es war die Rache für den Tod eines in einem Militärfahrzeug von Partisanen erschossenen deutschen Offiziers. Nach Einlieferung ins berüchtigte KZ Neuengamme wurden viele von ihnen dessen Außenlager Ladelund zugeführt, wo innerhalb von nur sechs Wochen – bis zur Auflösung des Lagers – 110 Gefangene aus Putten starben.
Dank mutigen Auftretens des Ladelunder Pastors Johannes Meyer setzte dieser es durch, dass er die Toten auf dem Ladelunder Friedhof christlich bestatten konnte. Da er die Namen der Beerdigten heimlich notiert hatte, gelang es ihm, nach dem Krieg die Verwandten zu benachrichtigen und viele von ihnen zu einem Besuch in Ladelund zu bewegen. Damit legte er den Grundstein für eine „Versöhnung über den Gräbern auf der Grundlage des christlichen Glaubens“. Diese entwickelte und intensivierte sich bis heute zu einer europaweit beispiellosen Freundschaft zweier schicksalhaft verbundener Orte.
Den Anstoß, sich mit der Thematik seines Buches zu befassen, gab nach dem Bekunden des Autors die beklemmende Erfahrung, dass er als in Ladelund aufgewachsenes Kind Augenzeuge des Elendszuges der Gefangenen wurde, als diese – vom Achtruper Bahnhof kommend – zum Ladelunder Lager getrieben wurden. Seine späteren Recherchen, die die Razzia in Putten, das Leben der Gefangenen und die Reaktion Ladelunder Einwohner auf das von ihnen nicht gewollte KZ-Außenlager betrafen, nahmen fünf Jahre in Anspruch. Dieter A. Müller möchte mit seinem Buch dazu beitragen, dass die Geschehnisse der Nazi-Zeit nicht in Vergessenheit geraten, weil sie sich niemals wiederholen dürfen.
Dass das Buch des Autors, der lange Zeit in Lübeck als Realschullehrer tätig war, bis er sich gänzlich der Schriftstellerei verschrieb, nun auch in holländischer Sprache erhältlich ist, verdankt Müller einem Zufall. Der Niederländer Kor Boven entdeckte es in einem deutschen Antiquariat und übersetzte es daraufhin. In Dr. Perry Pierik fand er einen Verleger, der sich bereit erklärte, das Werk in das Programm seines „Aspekt-Verlags“ aufzunehmen.
Die Vorstellung des Buches erfolgte im Rahmen eines feierlichen Empfangs im Puttener Audienz-Saal. Als Redner traten Bürgermeister Jan van Putten, Verleger Dr. Perry Pierik und der Übersetzer Kor Boven in Erscheinung. Sie befassten sich vor geladenen Gästen und Vertretern der Presse und des Rundfunks mit der Entstehung der holländischen Ausgabe des Werkes und der behutsam gewachsenen Freundschaft zwischen Putten und Ladelund. Auch der amtierende Vorsitzende des „Stichting’44“, Jan Nui van den Hoorn, und dessen Amtsvorgänger Evert der Graaf nahmen an dem Festakt teil.
