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veröffentlicht am 29. Januar 2013

shz.29.01.2013Gedenkarbeit konsequent fortgesetzt
Nach 17 Jahren übergibt Karin Penno-Burmeister ihr Amt an den kommissarischen Leiter Dr. Stephan Linck
Ladelund
Mit einer Kranzniederlegung beging die Kirchengemeinde den „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“. Auf dem Friedhof des Außenlagers Ladelund (KZ Neuengamme) befinden sich die Gräber von mehr als 300 Gefangenen. Zugleich hieß es Abschied nehmen von der hauptamtlichen Mitarbeiterin Karin Penno-Burmeister. Sie gab nach siebzehn Jahren die Leitung der örtlichen KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte, der einzigen kirchlich getragenen Einrichtung dieser Art, feierlich an deren kommissarisch eingesetzten Nachfolger, Dr. Stephan Linck, weiter.

Die von zahlreichen Gästen, unter anderem einer Abordnung der holländischen Stadt Putten, besuchte Veranstaltung begann mit einem stimmungsvollen Gottesdienst in der Ladelunder St. Petri-Kirche. Dessen Liturgie wurde vom Propst des Kirchenkreises Nordfriesland, Dr. Kay-Ulrich Bronk, und Pastor Hans-Joachim Stuck zelebriert, während Karin Penno-Burmeister die Predigt hielt. Für die musikalische Ausgestaltung sorgten die Schülerinnen Leena Bodin und Marie Mayer (Gesang) sowie Ingrid Sievers (Klavierbegleitung und Kirchenorgel).

Pastor Stuck eröffnete den Gottesdienst mit dem Leitgedanken, der sich danach auch durch die Predigt und die vielen im Dokumentenhaus der Gedenkstätte gesprochenen Grußworte zog: „Zukunft braucht Erinnerung. Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“

„Nach der biblischen Tradition macht Vergessen blind“, belegte auch Karin Penno-Burmeister in ihrer Ansprache an zahlreichen Beispielen. Des Weiteren erinnerte sie daran, wie schon die Pioniere der Gedenkarbeit in Ladelund, die Pastoren Johannes Meyer und Harald Richter, dem Vergessen des Schicksals der aus Putten verschleppten Einwohner mit leidenschaftlichem Engagement erfolgreich entgegen gewirkt hatten. Propst Dr. Bronk würdigte die gewissenhafte Arbeit der scheidenden Gedenkstättenleiterin, bevor er diese im Beisein und unter Mitwirkung von Pastor Harald Richter offiziell von ihren Pflichten entband. Kurz darauf verpflichte er ihren Interimsnachfolger, den Historiker Dr. Stephan Linck, auf sein kommissarisch zu führendes Amt.

Zu Beginn der nachfolgenden Zusammenkunft begrüßte der Vorsitzende des Gedenkstättenausschusses, Hans-Joachim Ihloff (Leck), unter anderem Dr. Ernst Fürsen (Konsul der Niederlande), Evert de Graaf (Vicepräsident der Puttener „Stifting Oktober ’44“), Professor Dr. Stephan Opitz vom Ministerium für Justiz, Kultur und Europa, Uta Körby (Vorsitzende des Sprecherrats der „Landesarbeitsgemeinschaft Gedenkstätten und Erinnerungsorte in Scheswig-Holstein“) sowie Kreispräsident Albert Pahl und Bürgermeister Rüdiger Brümmer.

„Sie haben mit ihrer Vertrauen erweckenden, mütterlichen Art die Brücke zu den Niederlanden geschlagen, die auch bei den Puttenern angekommen ist“, sprach Konsul Dr. Fürsen die bisherige Gedenkstättenarbeit an. Dies bestätigte Evert de Graaf: „Du hast uns Puttener durch deinen Charme, dein Charisma und deinen leidenschaftlichen Einsatz für die Versöhnung über den Gräbern immer wieder tief beeindruckt und die von den Pastoren Johannes Meyer und Harald Richter begonnene Gedenkarbeit konsequent fortgesetzt.“ Professor Dr. Opitz bescheinigte der entpflichteten Leiterin der Gedenk- und Begegnungsstätte: „Du hast die Dir anvertraute Einrichtung in den von mir überschaubaren Jahren einzigartig geprägt.“

Auch der Ladelunder Bürgermeister Rüdiger Brümmer dankte Karin Penno-Burmeister im Namen seiner Gemeinde: „Wir Ladelunder bedauern es, dass eine so erfahrene Leiterin unserer KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte uns heute verlässt.“ Heizungswart Heinz Zander überraschte die Versammelten, indem er zu Ehren der bisherigen Gedenkstättenleiterin ein anrührendes Lied sang.
Ulrich Jeß

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