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veröffentlicht am 29. Januar 2010

Gedenktag in Ladelund

Freundschaft – ein kleines Wunder

sh:z am 29. Januar 2010  Von Ulrich Jeß

In der KZ- Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund wurde am Mittwoch an die vor 65 Jahren erfolgte Befreiung des KZ Auschwitz und die Opfer der am 30. Januar 1933 begonnenen nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erinnert. Anlass war der Internationale Gedenktag. Die Leiterin der gastgebenden Einrichtung, Karin Penno-Burmeister, richtete Worte des Grußes an das holländische, seit vielen Jahren in die “Versöhnung über den Gräbern” aktiv einbezogene Ehepaar Willie und Aart Kleyer aus Putten sowie an eine Gruppe von Gästen aus Dänemark. Zu letzteren zählte auch der Frank Lubowitz (Apenrade), Historiker und Archivar beim Bund der Nordschleswiger. Er hielt an diesem Abend einen Vortrag zum Thema “Der Nordschleswiger Jens Jessen im bürgerlichen Widerstand gegen Hitler”.

“Kann Schmerz verjähren?”
Der stellvertretende Vorsitzende des Kirchenkreises Nordfriesland, Hans-Joachim Ihloff (Leck), stellte “an diesem Tag der Erinnerung, Aufklärung und Mahnung an einem authentischen Ort menschenverachtender Grausamkeit und unvorstellbaren Leids” die Frage: “Kann Schmerz verjähren?” Der Frage nach dem “Warum” der den Gepeinigten zugefügten körperlichen und seelischen Wunden stehe man auch nach 65 Jahren noch sprachlos gegenüber. “Deshalb bleibt Auschwitz ständig gegenwärtig,” so Ihloff. Dass es in Ladelund dennoch gelungen sei, auf der Basis des christlichen Glaubens mit den Nachfahren der mehr als 300 von Pastor Johannes Meier auf dem Friedhof beerdigten KZ-Gefangenen Freundschaft zu schließen, sei “ein kleines Wunder und große Verpflichtung zugleich.”

Häufig die Schuld verdrängt
Karin Penno-Burmeister erinnerte an den Beginn der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, die “durch Gleichschaltung, Zwangsmaßnahmen, Willkür, Raub, Kontrolle, Denunziation, Hass auf alle Juden, Unrechtsurteile, Verfolgungen und Vernichtung gekennzeichnet” gewesen sei. Die “Begierde, nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg die Scham und Schmach zu überwinden und der Welt neue Stärke entgegen zu setzen sowie die Hoffnung auf neue Arbeitsplätze, finanzielle Entlastung und wirtschaftlichen Aufschwung nach Zeiten der Regression, aber auch so menschliche Gefühle wie Neid, Missgunst und Misstrauen, Habgier, Geltungsbedürfnis, Angst und Feindseligkeit” hätten nach der Machtübernahme Hitlers der nationalsozialistischen Herrschaft den Boden bereitet. Viele Menschen, die im Alltag durch Wegsehen Schuld auf sich luden, hätten dies lange Zeit verdrängt.

Erinnerung
Am Anschluss begaben sich Gäste an die Gräber der KZ-Toten, wo Gudrun Jessen-Hansen, stellvertretende Vorsitzende des Gedenkstättenausschusses, ein Blumengebinde niederlegte.

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