header image

Der Panzergraben in der Feldmark Ladelund / Westre ist authentischer Ort der Zwangsarbeit des Konzentrationslagers Ladelund 1944. Er war Teil des so genannten Friesenwalls, jener im Zweiten Weltkrig projektierten, aber nur teilweise vollendete Wehranlage an der deutschen Nordseeküste.

Der Panzergraben dokumentiert am authetischen Ort die unmenschliche Zwangsarbeit wie auch die Ausmasse und Unsinnigkeit jenes Friesenwalls.

Im Umkreis von Ladelund liegen einige wenige Abschnitte frei, wenngleich sie im Laufe der Jahrzehnte durch Erosion und Vegetation nur noch von Wissenden aufgefunden und identifiziert werden können, so in der Feldmark südlich von Westre (an der Knicklinie des Bronzegrabes), im Westrer Wald und auf den Ländereien bei Berbekshof.

Die Steckenabschnitte des Friesenwalls wurden in Ortsrandlage und Besiedlungsnähe von der Bevölkerung nach 1945 z.T. als wilde Müllkippe genutzt, mit Abraum und Erde verfüllt und überpflanzt.

Ein ortsnaher, verfüllter und durch Knickbepflanzung z.Z. nicht mehr erkennbarer Abschnitt des Friesenwalls in Sichtweite der Gedenkstätte ist unmittelbar am Lagerweg zwischen dem ehemaligen KZ Lagergelände und dem Dokumentenhaus zu finden.

Dieser Abschnitt ist bereits seit den 90-er Jahren Gegenstand des Vorhabens der KZ Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund, den Panzergraben als historischen Ort der Zwangsarbeit und zeitgeschichtliches Dokument wieder sichtbar zu machen.

Adolf Hitler erteilte am 28. August 1944 den Befehl, die deutsche Nordseeküste von der niederländischen Grenze bis nach Dänemark mit Schanzgräben zu sichern. Der Friesenwall sollte aus Schützengräben und Unterständen direkt am Seedeich bestehen und durch zwei Panzergräben weiter im Binnenland sowie durch sogenannte Riegelstellungen parallel zur deutsch-dänischen Grenze ergänzt werden. Für den Friesenwall entstanden Panzergräben von etwa drei bis fünf Meter Breite und etwa vier Meter Tiefe, sowie Geschützstände und zum Teil verbunkerte Stellungen.    

Insgesamt errichteten die Arbeiter an der nordfriesischen Küste 237 Kilometer Panzergräben, 250 Kilometer Stellungsgräben und 4633 Ringstände. Für den Bau wurden 16.000 Kriegsgefangene herangezogen sowie 6.000 Konzentationslager-Häftlinge, die aus dem KZ Neuengamme in die neu errichtete Außenlager  Engerhafe/ Ostfriesland (2.000 Gefangene), Husum-Schwesing und Ladelund/ Nordfriesland (insgesamt über 4.000 Gefangene) verfrachtet wurden. Die Häftlinge stammten aus ganz Europa. Sie arbeiteten sieben Tage die Woche je zwölf Stunden. Kälte, Wind und Dauerregen des Herbsts 1944 mussten sie mit primitivem Gerät den schweren und nassen Boden bewegen. In Ladelund starben innerhalb weniger Wochen vom 1. November bis 16. Dezember mehr als 300 KZ Häftlinge, im Lager Schwesing zwischen September und Dezember 1944 weitere 300 Menschen.

Der Friesenwall wurde nur zwischen Husum und Bredstedt mehr oder weniger fertiggestellt und blieb im Norden Nordfrieslands ein Flickwerk. Die Anlage war militärisch sinnlos und wurde nie benötigt. Zum größten Teil wurde sie nach Kriegsende zugeschüttet. Einige Bunkerruinen und Panzersperren des Friesenwalls sind an der Küste noch heute erhalten, in der Umgebung von Ladelund kann man Spuren des Panzergrabens noch an mehreren Stellen im Gelände erkennen. Die nur halbherzig geplanten und durchgeführten Arbeiten gerieten bald in den Sog des sich abzeichnenden unaufhaltbaren Zusammenbruchs und wurden teilweise bereits Ende 1944, spätestens aber im Februar 1945 aufgegeben.

Kommentare sind derzeit geschlossen.

 

»