sh:z /NFT 30. Juni 2011
Den Opfern eine Stimme und ein Gesicht geben
Eröffnung der Sonderausstellung „Namen statt Nummern“ in der KZ-Gedenkstätte
Ladelund
In der KZ-Gedenkstätte wird zurzeit die auf dem „Dachauer Gedächtnisbuch“ basierende Sonderausstellung „Namen statt Nummern“ präsentiert. Zur Eröffnung stellte Diakon Klaus Schultz aus München, Mitarbeiter der Versöhnungskirche Dachau, das Projekt vor. Mit dem Vorhaben sollen Biographien ehemaliger Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau erarbeitet werden und ihnen, denen durch die Beschränkung auf Zuordnung von Nummern jegliche Würde genommen wurde, quasi ihre Namen zurückgegeben werden.
Auf eine in diesem Zusammenhang bedeutende Parallele wies Gedenkstättenleiterin Karin Penno-Burmeister in ihrer Begrüßung hin: „Die Versöhnungskirche in Dachau und die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund leisten beide Gedenkstättenarbeit in kirchlicher Trägerschaft. Sie sind bisher die einzigen evangelischen Einrichtungen, die sich das Erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus und die besondere Arbeit der Verständigung und Versöhnung unter dem Kreuz zur zentralen Aufgabe gemacht haben.“ In einem Grußwort brachte Bürgermeister Rüdiger Brümmer zum Ausdruck, dass auf Seiten der Dorfbevölkerung die Akzeptanz der Gedenkstätte ständig gewachsen sei.
„Das Gedächtnisbuch für Häftlinge des KZ Dachau und die heutige Ausstellung wollen den Überlebenden, deren Stimme immer leiser wird, aber auch denen, die das Konzentrationslager nicht überlebten, eine Stimme und ein Gesicht geben, damit ihre Geschichten und ihre Botschaften trotzdem weiter leben“, brachte der Referent die Zielsetzung des Projektes auf den Punkt. Den 91-jährigen Max Mannheimer, Überlebender der Konzentrationslager Auschwitz und Dachau sowie Schirmherr der Ausstellung, zitierte Klaus Schultz mit den Worten: „Ihr seid nicht verantwortlich für das, was damals geschah, aber für das, was heute geschieht.“ Beispielhaft ging er auf eine Reihe in ehrenamtlicher Arbeit ermittelter Einzelschicksale ein, die – in Text und Fotos festgehalten – auf vielen aushängenden Informationsbannern nachzulesen sind. Wichtig war dem Referenten auch die Feststellung, der Zweck der Ausstellung gehe über das Bewahren der Erinnerung hinaus: „Sie ist auch ein Beitrag, den Ewiggestrigen nicht die Deutungshoheit über diesen Teil unserer Geschichte zu überlassen.“
Die Sonderschau bleibt noch bis zum 4. September geöffnet: dienstags bis freitags von 10 bis 16 Uhr, sonnabends und sonntags von 14 bis 16 Uhr. Für Gruppen und Schulklassen werden nach Vereinbarung Führungen und pädagogische Gespräche angeboten.
ji