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veröffentlicht am 31. Januar 2013

„Niemandem bleibt es erspart, Verantwortung zu übernehmen“

Karin Penno-Burmeister in Ladelund verabschiedet

ladelund_1-300x205Karin Benno-Burmeister hatte 1995 die Leitung der KZ Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund von Pastor Harald Richter (li.) übernommen. Nach ihrer Verabschiedung ist zunächst Dr. Stephan Link mit der kommissarischen Leitung beauftragt.
Bild: Klaus-Uwe Nommensen
27. Januar 2013

Ladelund
Ohne Erinnern sei keine Erkenntnis möglich, betonte Karin Penno-Burmeister in ihrer Predigt zum 27. Januar, dem Gedenktag an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Der Gottesdienst in der vollbesetzen St. Petri-Kirche in Ladelund war zugleich ihre Verabschiedung als Leiterin der KZ Gedenk- und Begegnungsstätte dort.

Das Gedenken derer, „die der Verblendung unserer Vorfahren und unseres Volkes zum Opfer gefallen sind“, habe in Ladelund eine lange Tradition, erklärte sie weiter. Opfer aus 13 europäischen Nationen seien in dem ehemaligen Außenlager des KZ Neuengamme zu beklagen. Ihrer zu gedenken, löse Beschämung und Entsetzen, auch Widerstände aus. Es sei einerseits ein Eingeständnis von Schuld, andererseits Verantwortung, die den erneuten Gefahren von Rassismus oder Fundamentalismus zu begegnen habe.

Was lässt Menschen zu Tätern oder Opfern werden?

Zu der Verantwortung gehöre es, nach den Eigenschaften zu fragen, die Menschen zu derartigen Gewalttaten hinreißen lassen. Diese Frage und das Forschen nach den Mechanismen von Unterdrückung sowie nach dem eigenen Verhalten habe sie in ihrer Zeit als Leiterin der Gedenkstätte immer wieder in den Mittelpunkt von Gesprächen mit Besucherinnen und Besuchern, vor allem mit Jugendlichen gestellt. „Was ist es, was im Menschen steckt und ihn oder sie zum Täter werden lässt oder zum Opfer?“ Niemandem bliebe es erspart, selbstkritisch und achtsam Verantwortung zu übernehmen, so das Resümee der Predigerin.

Seit 1995 war Karin Penno-Burmeister für die in kirchlicher Trägerschaft befindliche Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund verantwortlich. Die Diplom-Theologin hatte nach ihrer Tätigkeit als Lehrkraft an den berufsbildenden Schulen in Niebüll die Aufgabe von Pastor Harald Richter übernommen. Richter wiederum hatte über seiner Zeit als Gemeindepfarrer von Ladelund hinaus das durch Pastor Johannes Meyer begonnene Gedenk- und Versöhnungswerk engagiert weitergeführt.

„Ihr Engagement diente dem Hinsehen“

In den 17 Jahren habe ihr Engagement dem Hinsehen gedient, würdigte Propst Kai –Ulrich Bronk das Wirken der scheidenden Leiterin. Zu ihren Verdiensten gehöre die Etablierung der Gedenkstätte als Veranstaltungsort für Ausstellungen und Vorträge, sowie das Einwerben einer hohen Summe für die Erweiterung des Dokumentenhauses. Auch die Vernetzung der Ladelunder Gedenkstätte in Schleswig-Holstein und damit verbunden eine größere Öffentlichkeit für das Thema seien der Arbeit von Karin Penno-Burmeister zu verdanken.

Ihre warmherzige Art in der Begegnung sowohl mit den Überlebenden oder Angehörigen der Opfer als auch mit den Besucherinnen und Besuchern der Gedenkstätte sei kennzeichnend für ihre Arbeit gewesen, machten die Grußredner im Anschluss an den Gottesdienst deutlich. Evert de Graf, stellvertretender Vorsitzender der „Stichting Oktober 44“ aus dem niederländischen Putten betonte die „guten und intensiven Kontakte“ zwischen Ladelund und Putten.

K. U. Nommensen, 29. Jan. 2013
www.krichenkreis-nordfriesland.de

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