Nordfriesland Tageblatt, 19. Januar 2010
Mahnmal der Erinnerung
Projekt-Vorstellung auf Neujahrsempfang: An der KZ-Gedenkstätte soll der Panzergraben freigelegt werden
LADELUND
Den Neujahrsempfang der Kirchengemeinde besuchten mehr als 80 Personen. Er begann mit einem Gottesdienst und beim geselligen Beisammensein im Gemeindesaal des Pastorats kam es zur Vorstellung des Projekts „Panzergraben“.
Die Freude über den guten Besuch der Veranstaltung war Pastor Hans-Joachim Stuck deutlich anzumerken, als er die Teilnehmer willkommen hieß. Auch die Bürgermeister und Repräsentanten vieler Vereine, Verbände und Institutionen aus allen drei politischen Gemeinden Ladelund Bramstedtlund und Westre feierten im Gotteshaus. Der Ladelunder „Projektchor“ unter Leitung von Stefanie Budde (Klavier) und der Organisten Klaus Barke bestritten den musikalischen Teil.
In Anlehnung an einen ganzen Katalog von guten Ratschlägen, die der Apostel Paulus einst der römischen Christengemeinde per Brief (Epistel) zukommen ließ, befasste sich die Predigt des Pastors mit der Frage: „Wie kann es gelingen, den Alltag zum Fest zu machen?“ Dazu gehöre ein liebevoller Umgang mit den Mitmenschen, Aufrichtigkeit, Bescheidenheit und Bereitschaft, nach Situationen des Haderns und Streits wieder aufeinander zuzugehen.
Nahezu geschlossen begaben sich sodann die Gottesdienstbesucher ins Pastorat, wo sie zunächst einmal die Gelegenheit nutzten, sich bei einem kühlen Getränk zu unterhalten und miteinander auf ein gutes Jahr 2010 anzustoßen. Eine unterhaltsame Powerpoint-Präsentation, in chronologischer Reihenfolge zusammengestellt von Pastor Stuck, gab Einblicke in das rege und vielseitige Leben der Kirchengemeinde im vergangenen Jahr. Bei den Kommentaren zu den Lichtbildern lösten sich Angehörige des Kirchenvorstands ab.
Zu den dabei angesprochenen Einzelthemen zählten unter anderem die Arbeit und Fahrten der Konfirmanden, die Vorbereitung des Weltgebetstages, die Vorhaben der Pfadfinder, und die Feier der goldenen Konfirmation. Auch wurden die Arbeit der „Kinderkirche“, der Krabbelgruppe und der Pfadfinder, sowie die Freizeit des Clubs der Älteren auf der Insel Rømø bildlich gestreift, die Jubiläumsfeier „40 Jahre Altentagesstätte“ thematisiert.
Besonders intensiv eingegangen wurde auf die Aktivitäten der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte und deren eifrig gepflegte Kontakte zu den Erwachsenen und Jugendlichen der holländischen Stadt Putten. Die fröhliche Seite des kirchlichen Gemeindelebens spiegelte sich unter anderem in den Fotos vom Mitarbeiterfest der Kirchengemeinde und deren Adventsfeier wider.
Ein gemeinsamer Imbiss leitete über zur Vorstellung eines Projektes, dessen kostenlose Durchführung Dr. Klaus Alberts von der Architekten- und Ingenieurkammer sowie Anne Nigel aus der Staatskanzlei des Landes der Kirchengemeinde Ladelund als Träger der KZ-Gedenkstätte „andienten“ (Alberts). Sie warben dafür, zwischen dem Dokumentenhaus und dem einstigen Lagergelände ein etwa 30 Meter langes Teilstück des verschütteten Panzergrabens freizulegen und – mit Zustimmung des Archäologischen Landesamtes – seinem urspünglichen Zustand „eins zu eins“ anzupassen, um ein authentisches Stück der einstigen KZ-Anlage vorweisen zu können. Jegliche Kosten würden der Kirchengemeinde vom Land Schleswig-Holstein von der Hand gehalten, denn diesem sei sehr daran gelegen sei, ein Stück Landesgeschichte dauerhaft zu dokumentieren.
Damit es bei der Wiederherstellung des Grabenstücks bis zum Volkstrauertag nicht bei einem bloßen Tiefbauvorhaben bleibe, sollten die Ergebnisse einer Ausschreibung aufzeigen, wie man das Projekt künstlerisch aufbereiten könnte. Ein Konzept für die pädagogische Nutzung des Grabenabschnitts liege noch nicht vor. „Ungemein wichtig ist aber, dass die Ladelunder Bevölkerung das Vorhaben ideell mitträgt“, so Dr. Alberts.
ji