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veröffentlicht am 21. Juni 2011

sh:z 21. Juni 2011

„Ein Ort, der jede Geschwätzigkeit verbietet!“ (Prof. Ansgar Nierhoff): Projektleiter Dr. Willi Cramer überwacht die Arbeiten. Foto: stb


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die von Zwangsarbeitern im Zweiten Weltkrieg angelegte Sperranlage ist wieder sichtbar.

Nordfriesland
Das Archäologische Landesamt hat im nordfriesischen Ladelund unter der Projektleitung von Dr. Willi Cramer einen 30 Meter langen, fünf Meter breiten und vier Meter tiefen Abschnitt des Panzergrabens wieder freilegen lassen. Er befindet sich etwa 300 Meter nördlich des Dokumentenhauses der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund am Weg zum früheren Lagergelände.

2000 Gefangene des Konzentrationslagers Ladelund mussten in den Monaten November und Dezember 1944 bei Kälte und Nässe unter entsetzlichen Bedingungen per Hand den insgesamt 14 Kilometer langen Panzergraben ausheben. Dürftig bekleidet, unterernährt und durch Krankheiten sowie Misshandlungen geschwächt starben dabei in der Zeit vom 1. November bis zum 16. Dezember 1944 – in nur sechs Wochen – mehr als 300 Zwangsarbeiter aus 13 Nationen. Der Panzergraben war Teil des am 28. August 1944 von Hitler befohlenen Baus eines „Friesenwalls“ – und militärisch völlig nutzlos. In den 1960er Jahren wurde er zugeschüttet.

 

Für die jetzige Freilegung waren Luftbild-Aufnahmen ausgewertet worden. Dann mussten zwei Grundstücke erworben werden. Auch die Zustimmung der Pächter war notwendig. Ende Mai war alles unter Dach und Fach. Dr. Jörn-Peter Leppien, Landeshistoriker und wissenschaftlicher Leiter der Dauerausstellung „Konzentrationslager Ladelund 1944“: „Die Freilegung eines von solchen, einst von Häftlingen ausgehobenen Panzergrabens ist einmalig in Deutschland.“

Ausgrabungsleiter Dr. Willi Kramer und sein Mitarbeiter Heiner Menzel beobachteten den Aushub, griffen hin und wieder auch selbst zu den Schaufeln. Die Arbeiten orientierten sich an den Vermessungen und den Bodenreliefs. Während der zwei Tage dauernden Baggerarbeiten wurden rund 240 Kubikmeter Sand ausgehoben. Mit Baggerführer Werner Anthonisen aus dem nordfriesischen Uphusum verfügte das Ausgrabungsteam nicht nur über einen erfahrenen Mann, der heute 76-Jährige ist auch Zeitzeuge. Er hatte als Zehnjähriger diesen Panzergraben in den 50er-Jahren noch offen gesehen.

„Die Freilegung des Abschnitts ist exemplarisch“, erklärte die Leiterin der KZ Gedenk- und Begegnungsstätte, Karin Penno-Burmeister, vor Ort. „Der Grabenabschnitt soll begehbar und damit zu pädagogischen Zwecken erlebbar werden. Die Besucher sollen ein Gefühl dafür bekommen, was es bedeutet, hier zu stehen.“

Dass der Panzergraben an dieser Stelle den ehemaligen Lagerweg kreuzt, sei wichtig für die Arbeit der Gedenkstätte, erklärte Karin Penno-Burmeister. „Es gibt hier zwei Achsen: eine von den Gräbern an der Gedenkstätte in Richtung Norden, eine zweite aus Richtung Lagerfeld in Richtung Osten. Sie kreuzen sich an dieser Stelle.“ Das habe auch der Künstler Prof. Ansgar Nierhoff aufgegriffen, als im vergangenen Jahr an dieser Stelle seine Mahn-Stele aus massivem Eisen aufgestellt wurde – 29 Tonnen schwer, 7,50 Meter hoch und mit einem Durchmesser von 75 Zentimetern. Die Einweihung am Volkstrauertag erlebte Prof. Nierhoff nicht mehr. Er verstarb am 2. August 2010, gerade einmal 68-jährig. „Es war sein letztes Werk“, so Penno-Burmeister.

Das Archäologische Landesamt finanziert die Grabung mit 4000 Euro. Gleich nach Abschluss der Baggerarbeiten wurden die Böschungen mir Rollrasen gesichert, um so ein Abrutschen zu verhindern.

Nun muss der Graben mit Hilfe einer Rampe noch begehbar gemacht werden. Karin Penno-Burmeister: „Es kann sein, dass der Eingang noch künstlerisch und ästhetisch gestaltet wird.“ Das Thema sei noch mit der Kommission „Kunst im öffentlichen Raum“ zu erörtern. Ist alles fertig, wird es eine offizielle Einweihung geben.

Stephan Bülck

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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