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veröffentlicht am 10. Juli 2011

sh:z am 7. Juli 2011
Wyk
Jugendliche aus Putten in Wyk – Stadtrundgang führte auch zu Friedrich Christiansens Elternhaus.

Seit fast einem halben Jahrhundert begegnen sich im jährlichen Wechsel Jugendliche aus dem niederländischen Putten und dem nordfriesischenLadelund, um die gemeinsame Vergangenheit aus der Zeit des Nationalsozialismus aufzuarbeiten und die Versöhnung voranzutreiben. Begleitet von Karin Penno, Leiterin der Gedenkstätte Ladelund, und Pieter Dekker, Sekretär der Stiftung „Oktober 44“ in Putten, besuchten im Rahmen der diesjährigen Begegnung etwa 50 Jugendliche Föhr und wandelten auf den Spuren Friedrich Christiansens.

Der hatte am 2. Oktober 1944 als damaliger Wehrmachtsbefehlshaber in den Niederlanden angeordnet, das Dorf Putten niederzubrennen und die männliche Bevölkerung im wehrfähigen Alter zu deportieren – als Vergeltung für das Attentat auf ein mit vier deutschen Offizieren besetztes Auto. Lediglich 49 von 602 Männern sollten überleben, die größte Gruppe verstarb in den Außenlagern des Konzentrationslagers (KZ) Neuengamme; allein im KZ Ladelund kamen 111 Männer ums Leben. Der Verurteilung 1948 vor einem Sondergericht in Arnheim zu zwölf Jahren Haft folgte 1951 die Begnadigung. Für die Stadt Wyk Anlass genug, Christian sens Ehrenbürgerschaft und die Umbenennung der Großen Straße in Friedrich-Christiansen-Straße zu erneuern.

Die Erinnerung an die Razzia in Putten lebendig zu halten, war dort in den 1980-er Jahren die Stiftung „Oktober 44“ gegründet worden. Hohe Priorität habe dabei die Arbeit mit Jugendlichen, erläuterte Dekker, die nicht nur alles über die Geschichte erfahren sollen, sondern „lernen, über die Grenzen hinaus zu schauen und gemeinsam für den Frieden zu arbeiten“. Bereits 1963 hatten Jugendliche aus Ladelund Putten besucht. Der Gegenbesuch 1964 bildete den Auftakt für die Solidarisierung gegen die Ehrung Christiansens, blickte Penno zurück, und war gleichzeitig „die Geburtsstunde der Begegnungen und Vertiefung der versöhnenden Kontakte“.

Beziehungen, so Bürgermeister Heinz Lorenzen, der die Gruppe im Amtsgebäude begrüßte, die sich trotz der belastenden Vergangenheit seit einigen Jahren auf einem sehr guten Weg befänden. Der Bürgermeister machte deutlich, dass die Stadt zwar nicht für die Taten des Kriegsverbrechers Christiansen verantwortlich sei, wohl aber für die unsäglich lange und wenig zufrieden stellende Debatte um die ihm zu Teil gewordenen Ehren. Angesichts der viele Jahre dauernden Auseinandersetzung könne man aus heutiger Sicht dankbar sein, dass die Evangelische Jugend Ladelund den Stein 1964 ins Rollen gebracht habe, sprach Lorenzen der frühzeitigen Versöhnungsarbeit seine Anerkennung aus, „es bleibt die Frage, warum Wyk erst so spät reagiert hat“. Denn es sollte bis zum 8. Mai 1980 dauern, ehe sich die Verantwortlichen durchrangen, das Thema zu beenden und die Straße wieder in Große Straße umzubenennen.

Für den Bürgermeister unverständlich, ging die Stadt auch in den Folgejahren nicht auf die Menschen in Ladelund und Putten zu, um ihnen die Hand zu reichen. „Ein längst überfälliger Schritt“, den er im Jahr 2000, als stellvertretender Bürgervorsteher, tat. Mit dem einstimmigen Auftrag der Stadtvertretung versehen, legte Lorenzen anlässlich des Volkstrauertages in Ladelund einen Kranz nieder, äußerte Worte des Bedauerns und gedachte somit der Opfer. Der Auslöser für die immer schneller werdenden Schritte der Versöhnung, die sich in regelmäßigen gegenseitigen Besuchen ausdrückt und zeigt, „dass wir auf einem sehr guten Weg zur weiteren Freundschaft sind“.

Ein Weg, der nun in der von Ulrich Bork organisierten Fahrt auf die Insel gipfelte. Für die Jugendlichen, die sich ebenso vorbereitet wie interessiert zeigten, dürfte der Besuch auf Föhr zu den Höhepunkten ihres einwöchigen Nordfriesland-Aufenthaltes gezählt haben.


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